Selbstliebe und meine Leidenschaft zur Fotografie

Aktualisiert: März 26


Selbstportät Jill Abanico

GER (scroll down for English)


Ein Grund, warum ich die Fotografie liebe ist, dass man so viele Geschichten aus einem einzigen Bild herauslesen kann, besonders in der Porträtfotografie. Hier muss man sich in die Situation seines Models hineinversetzen und mit ihr oder ihm auf einer persönlicheren Ebene arbeiten, um ein authentisches Bild von ihr oder ihm zu bekommen. Aber ich habe mich erst so richtig in die Fotografie verliebt, als ich gelernt habe, mich selbst zu lieben. Lasst mich also zuerst etwas über mich selbst erzählen und was ich gelernt habe, um meine Leidenschaft für meinen Beruf zu finden:


Damals im Jahr 2015 hättet ihr mich nicht wiedererkannt


Ich war deprimiert, unglücklich und war nicht in der Lage die Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen. Ich hasste mich selbst, ich fühlte mich wertlos, ich hatte sehr ungesunde Freundschaften und Beziehungen und ich hatte einen Job, der mich nicht glücklich machte. Als junge Teenagerin erlebte ich ein sehr traumatisches Ereignis und ich kam nie dazu, das zu verarbeiten, bis ich einen sehr liebenswerten und empathischen Menschen traf, der mir beibrachte, dass genau dieses traumatische Erlebnis der Grund war, warum ich ein so unglücklicher Mensch wurde.


Für mich war es normal, respektlos behandelt zu werden ...


... weil ich mich nicht für einen liebenswerten Menschen hielt, der es verdiente, gut behandelt zu werden. Ich opferte meine Zeit und Energie dafür, für andere Menschen da zu sein, wenn die eine Person, die mich am meisten brauchte, eigentlich ich selbst war.

Unretuschiertes Selbstportät Jill Abanico

Leider und zum Glück musste ich durch eine noch dunklere Zeit gehen ...


... um dieses traumatische Ereignis zu verarbeiten. Es war eine sehr traurige Zeit, harte geistige und körperlich anstrengende Arbeit: Ich musste mich selbst reflektieren, ich musste die Erinnerungen an das Trauma wieder durchleben, um meine Handlungen und mein Verhalten aufgrund dessen verstehen zu können. Ich musste lernen, achtsam mit meinen Gedanken umzugehen und endlich die Tatsache akzeptieren, was mir in der Vergangenheit passiert ist. Ich war so voller Selbsthass, dass es sehr schwer für mich war, zu lernen, wie ich mich selbst freundlich behandeln kann, wie ich mich selbst wirklich lieben kann.


Heute weiß ich, dass ich nichts an dem ändern kann, was mir passiert ist, aber ich bin zutiefst dankbar, dass ich das alles durchgemacht habe, denn es hat mich zu dem einzigartigen, starken und positiven Menschen gemacht, der ich heute bin. Und sobald ich lernte, mich selbst zu lieben und zu respektieren, begannen mein Verstand, mein Herz, meine Ohren und meine Augen, sich für die positiven Dinge im Leben zu öffnen und sie anzuziehen. Ich habe die Liebe meines Lebens gefunden, bin von Freunden umgeben, die mich respektieren und ich habe einen Beruf gefunden den ich von Herzen gerne mache.


Anstatt zuzulassen, dass die Leute mich schlecht behandeln, beschloss ich, sie gehen zu lassen und erlaubte ihnen nicht mehr, Teil meines Lebens zu sein. Ich musste erst allein sein und mein eigenes Leben bewältigen, um zu heilen und mehr Raum für mich selbst zu haben. Ich lernte, meine Gefühle und Gedanken zu beobachten, und mit der Zeit fiel es mir leichter, mich mehr auf die positiven als auf die negativen Seiten des Lebens zu konzentrieren. Natürlich gibt es immer etwas Negatives im Leben, aber so verhält es sich im Leben. Es muss immer ein Gleichgewicht geben. Und all diese negativen Erfahrungen waren in Wirklichkeit nicht wirklich negativ, es war meine Perspektive und meine eigene Entscheidung, diese Ereignisse als negativ zu bewerten. Wir Menschen neigen dazu, die Welt in positiv und negativ aufzuteilen - Ende der Geschichte.


Ereignisse, die einem im Leben passieren, können sowohl positiv als auch negativ sein, aber es liegt an einem selbst, zu entscheiden, ob man darüber traurig ist oder daraus lernt und weitermacht.


In Bezug auf diesen Weg, den ich gegangen bin, behaupte ich, dass Empathie eine meiner Superkräfte ist, und ich beziehe das in meine Portätfotografie mit ein. Beauty und Mode beiseite, das ist es, worum es bei meiner fotografischen Arbeit wirklich geht!


Ich versetze mich in die Situation meiner Models und versuche, ihr authentisches Selbst zu enthüllen und ihnen zu zeigen, wie schön sie sind. Ich verstehe, wenn es Dinge gibt, die sie nicht an sich mögen, aber ich verurteile sie nicht dafür. Es kommt darauf an, wie das Leben uns geformt hat und wie wir uns selbst wahrnehmen. Versuche also sanft und liebevoll mit dir selbst umzugehen. Lasse dich nicht von deinen negativen Gedanken einnehmen und arbeite daran dich so zu akzeptieren wie du bist und vor allem zu fühlen wie es ist dich selbst zu lieben.


Jill


Selbstporträt Jill Abanico

ENG


The cause I fell in love with taking pictures is that you can read so many stories out of one single picture, especially in portrait photography, where you have to put yourself into the situation of your subject and work with your model on a personal level to get an authentic picture of her- or himself.

But I didn't fall in love with photography until I learned to love myself, so let me tell you something about myself first and what I learned to find my passion for my profession:


Back in 2015 you wouldn't have recognised me, because I was depressed, unhappy and I wasn't capable to responsibility for my own life. I hated myself, I felt worthless, I had very unhealthy friendships and relationships and I had a job that didn't make me happy. I happened to experience a very traumatic event when I was a young teenager and I never came across on how to process that, until I met a very nice and empathetic person who taught me that exactly this traumatic experience was the reason why I became such an unhappy human.


For me it was normal to be treated disrespectfully, because I didn't think of myself as a nice person that deserved to be treated well. I sacrificed my time and energy to being there for other people for when the one person who needed me the most was truly myself.


Unfortunately and thankfully I had to go through an even darker period of time to process this traumatic event. It was a very sad time as well as hard mentally and physically exhausting work: I had to reflect myself, I had to relive the memories of the trauma and understand my actions and my behaviour due to this. I had to learn to be mindful with my thoughts and finally accept what had happened to me in the past. I was so full of self-loathing, that it was very hard for me to learn how to treat myself kindly, how to truly love myself.

Self portrait Jill Abanico

Today I know that there is nothing I can do to what happened to me, but I am deeply thankful that I've been through this all because it made me the unique, strong and positive person I am today. And as soon as I learned to love and respect myself, my mind, my heart, my ears and my eyes started to open up to and attract the positive things in life. I found the love of my life, I am surrounded by friends that respect me and I found a job that I really, really love!


Instead of letting people treat me bad I decided to let them go and didn't allow them to be part of my life anymore. I had to be alone first and cope with my own life to heal and have more space for myself. I learned to observe my feelings and my thoughts and with time it got easier to focus more on the positive than on the negative side of life. Of course there's always some negativity in life, but for me it is the way life is. There always has to be balance. And all those negative experiences in fact were not really negative, it was my perspective and my own decision to title these incidents as negative. We humans tend to split the world into positive and negative - end of story.


Incidents that happen to you in life can be positive as well as negative, but it's for you to decide if you are sad about it or learn from it and move on.


Regarding this path I went through I claim that empathy is one of my superpowers and I truly include this in my photography work. Beauty and fashion aside, this is what my photography work is really about!


I put myself into the situation of my models and try to reveal their authentic self and show them how beautiful they are. I understand if there are things they don't like about themselves but don't judge them for it. It all comes down to the way life has formed us and how we perceive ourselves. So be gentle and loving to yourself. Try to let go of your negative thougts. Learn to accept yourself as you are and most of all try to feel how it feels to love yourself!


Jill